film
DDR Augenzeuge NP27
2012
1/X

 

Die politische Wende in Deutschland ist für den Ostberliner Fotografen Gerd Daniel, wie für
viele Menschen und Künstler in der DDR, ein unerwartet großer Bruch. Vieles funktioniert
anders in dem neuen Land. Für Gerd bedeutet dies ein Gefühl von Ratlosigkeit. Es hat zur
Folge, dass er den Sinn für seine fotografische Arbeit verliert. So gibt er kurz nach der Wende
die aktive Fotografie auf und zieht sich seither in seine eigene, selbst geschaffene Welt
zurück.
Aus finanziellen Gründen entschließt sich Gerd im Jahr 2000 seine Fotografien auf einem
Berliner Flohmarkt zu verkaufen. Es sind eindrucksvolle Aufnahmen vom letzten Jahrzehnt
der DDR und des darauf folgenden Umbruchs. Überrascht von dem großen Interesse für seine
alten Motive, macht Gerd die sonntäglichen Flohmarkteinsätze zum festen Bestandteil seines
Lebens. Mit großer Sorgfalt bereitet er Woche für Woche seine Fotoabzüge für den Verkauf
vor. Der Film begleitet ihn bei seinen routinierten Arbeitsschritten, von der
Bestandsaufnahme über die Reproduktion in der Dunkelkammer bis zur Retusche und finalen
Vorbereitung zum Verkauf.
Inzwischen hat der renommierte Leipziger Lehmstedt Verlag Gerds Arbeiten in einer
Monografie veröffentlicht und feiert die Publikation als Entdeckung eines großen Fotografen.
Für Gerd ist dies ein wichtiger Schritt, in der neuen Gesellschaft anzukommen. Bleibt
abzuwarten, ob die neuartige Aufmerksamkeit, die sein Werk nun erfährt, seine lang gepflegte
Gedankenwelt aus Nostalgie und Systemkritik auf der einen und stolzem Unternehmergeist
auf der anderen Seite durcheinanderbringen kann.

 

Team:
Konzept, Schnitt und Regie: Jan Sobotka
Kamera und Schnitt: Karsten Wiesel
Musik: Juha Hansen

 

Premiere: Achtung Berlin – New Berlin Film Award 2012